Homöo-Rätsel

08.04.2011: Junge, 17 Jahre.
Hat sich wohl vor einer Woche erkältet und ist bereits seit mehreren Tagen
krank.
Hauptbeschwerde: Husten; Auswurf nur morgens, gelb bis gelb-grün;
Hustenreiz im Bereich von Kehlkopf oder Halsgrube; Husten nachts trokken,
Pat. erwacht gegen Mitternacht oder auch gegen 2 Uhr wegen des
Reizhustens; Trinken lindert den Hustenreiz etwas; tagsüber vergleichsweise
wenig Husten; Pat. hat inzwischen vom Husten Muskelkater im
Bauch.
Nasenabsonderung: Mal klar, mal gelb, mal braun bzw. rostfarben.
Schmerzen hinter dem rechten Auge, auswärts stechend, Bücken <.
Seit der Erkrankung auffallend viele Pickel im Gesicht (Stirn, Nase, Oberlippe,
Kinn), die wehtun.
Kein Fieber, auch ansonsten keine Veränderungen zum gesunden Zustand.
Verordnung und Verlauf:
____________ C30 (Spagyros), 2 Globuli auf ein halbes Glas Wasser, 3
Tage lang einmal täglich einen Teelöffel.
Rückmeldung am 11.04.2011: Bereits nach der ersten Einnahme beinah
sofort einsetzende Besserung. Aktueller Zustand: Kein Reizhusten, kein
Auswurf mehr; Nasenabsonderung fast weg; Pickel im Gesicht deutlich
zurückgegangen; Allgemeinbefinden wesentlich besser, mehr Energie
etc.
Es war keine weitere Arzneigabe mehr erforderlich.
(Seminarskript von Dr- Jens Ahlbrecht G.H.G. Jahr Hdb. Hauptanzeigem)

Homöo-Rätsel

Fall: Hautausschlag
Frau, 29 Jahre alt, klagt über Hautaisschlag mit Eiterbildung auf den unteren Gliedmaßen (Diagnose: Furunkel), Juckreiz < am Nachmittag; besteht seit 4 Jahren. Antibiotika verschafften Ihr etwas Erleichterung. Keine klinischen Befunde an Magen und Lunge, keine signifikante Vorgeschichte, außer einer Pilzinfektion auf der Kopfhaut, die durch Steroide und andere Medikamente unterdrückt wurde. Diese Informationen befriedigten mich keineswegs. Auf langes Nachfragen erzählte sie mir, dass sie Träume von Schlangen habe, die sie immer wieder bissen. Welche Arznei kam hier zum Einsatz?
(Dr. B.. Patel, KH39,6(1995)

Homöo-Rätsel

Fall: Heuschnupfen
Ein 37jähriger Mann leidet seit Jahren an Heuschnuopfen. Diesen Sommer haben sich plötzlich juckende Quaddeln auf der Haut gebildet, die in ein trocknes Ekzem übergegangen sind. Dazu kamen noch nächtliche spastische Reizhustenanfälle mit Beklemmung auf der Brust und Auswurf von glasigem Schleim., die bei Wetterwechsel und nach Verzehr von frischem Obst verstärkt auftraten.
Aus der Vorgeschichte ist eine Tonsillektomie vor 3 Jahren wegen chronisch vereiterter Mandeln bekannt. Sein Vater erkrankte im Alter an Asthma bronchiale. Sein auffallendes Symptom war ein schwächender Durchfall mit Übelkeit, der nach den spastischen Hustenattacken auftrat. Nach der Verabreichung der Arznei in der Q 6 besserten sich seine Beschwerden innerhalb von 4 Wochen fast vollständig. Welche Arznei kam hier zum Einsatz?
(A. Wegener, KH 39, 6 (1995).

Homöo-Rätsel

Fall: Migräne
Eine 32 jährige Patient kommt 1991 zu R. Eichler in die Praxis. Sie kommt wegen ihrer Migräne (seit 5 Jahren), unterbrochen nur durch 2 Schwangerschaften und die Stillzeiten.
Die Migräne käme ca. 1 x in der Woche (meist am Wochenende). Die Schmerzen beginnen meistens im Nackenbereich, ziehen dann über den Kopf zur Stirn und drücken dort sehr heftig in die Stirn hinein. Sie müsse sich dann unbedingt hinlegen, dürfe sich nicht bewegen, nur so würde es etwas besser. Erbrechen bessere sofort, auch warme Auflagen auf die Stirn linderten. Ein Zusammenhang mit der Periode sei bisher nicht erkennbar. Bis auf gelegentliche Ischialgien sei sie immer gesund gewesen. Sie neige zum Perfektionismus und setze sich selbst unter Druck. Von Kindesbeinen an habe sie große Angst vor Messern. Das sei so schlimm, dass sie sich nicht einmal neben einen Familienangehörigen hinstellen könne, wenn der ein Meser in der Hand hatte. Sie habe auch Höhenangst und leichte Engeangst. Sie sei leicht ungeduldig. Rotwein vertrage sie nicht, führt zu Migräne. Gern esse sie Butter und sie sei niemals durstig. Das Knien tue ihr in den Gelenken weh. Sie habe Schmerzen in den Kniescheiben, wenn sie die Knie lange gebeugt halte, z.B.nach längerem Sitzen. Oft habe sie Schwindel, z.B. nach dem Bücken. Sie leide an brüchigen Nägeln und insgesamt an sehr trockener Haut.
(Lit. aus AHZ Bd. 239 (1994)

Homöo-Rätsel

Fall: Fieber Delir
Eine besorgte Mutter ruft am 2310.1989 bei Dr. W. Klunker an. Das 4 jährige Mädchen sei am Abend vorher an Kopf- und Bauchschmerzen sowie an Fieber von 39,5° erkrankt. In der Nacht Schlaflosigkeit, dazwischen Delirien, in denen sie von Schlangen bedrängt wurde. Heute morgen 39,3°.
(Lit. aus ZKH, Bd. 35 (1991)
Welche Arznei half innerhalb weniger Stunden? (Bell., Hyos, Stram., Op.waren es nicht.)
Homöopathie und Rationalität
Medizin zwischen Empathie und Objektivismus

Das Programm Galileis alles zu messen, was messbar ist, und messbar zu machen, was noch nicht messbar ist, hat in den letzten zwei Jahrhunderten die Medizin in einer Weise und in einem Ausmaß transformiert, dass heute weltweit unter wissenschaftlicher Medizin wie selbstverständlich Quantifizierbarkeit, Reproduzierbarkeit und Standardisierbarkeit verstanden wird. Was sich nicht objektivieren, das heißt maschinell erfassen, verarbeiten und auswerten lässt, wird von der modernen evidenzbasierten Mainstream-Medizin nicht wirklich wahrgenommen, geschweige denn behandelt. Trotz ihrer Erfolge und Unentbehrlichkeit bei bestimmten Indikationen fühlen sich dabei aber immer mehr Patienten unverstanden und übergangen und suchen ihr Heil in alternativen Therapiemethoden.

Wenn Menschen aber mehr sind als die Summe ihrer Messwerte und über je eigene subjektive, seelisch-geistige Dimensionen verfügen, zeigt sich beim Versuch ihrer wissenschaftlichen Erfassung das Ungenügen einer bloß naturwissenschaftlich ausgerichteten Rationalität. Empfindungen, Leiden und Sehnsüchte eines Menschen lassen sich nicht durch Maschinen, sondern nur von mitempfindenden, mitleidenden und mitsehnenden Menschen wahrnehmen und innerhalb des jeweiligen Lebenskontextes und Sinnzusammenhangs verstehen und bewerten. Die dazu erforderliche Empathie erweist sich in der Medizin als notwendige und unerlässliche Bedingung einer ganzheitlichen Anamnese, wenngleich sie allein noch keine wirksame Therapie garantiert. Statt ganz in seinem Mitgefühl aufzugehen, muss der Therapeut stets auch eine gewisse Distanz zum Patienten wahren, um gezielt und rational entscheiden und Hilfe leisten zu können.

Im Gegensatz zur konventionellen Medizin wie auch zur Psychologie und Psychosomatik ist die Homöopathie in der privilegierten Situation, in ihrer Theorie beide Aspekte abzudecken. Hahnemanns rationale Methodik einer experimentellen Pharamakotherapie und seine Anweisungen an den ärztlichen Beobachter zur vorutreilsfreien und empathischen hermeneutisch-phänomenologischen Erfassung des individuellen Patienten einschließlich seiner gesundheitlichen Entwicklung sind gleichermaßen bestimmend für die homöopathische Heilkunst. In der Positionierung gegenüber normativen Geltungsansprüchen der prädominanten studien-, statistik- und ökonomiebasierten Schulmedizin täten Homöopathen gut daran, diese ihre methodische Stärke wirkungsvoller zu vertreten.

(Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie, WissHom, 2013)
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