Fall-Rätsel

Fall: Chronische allergisch-vasomotorische Rhinitis (Heuschnupfen)
Am 2.8.84 kam ein 19jähriger Schüler zu Hans Leers in die Praxis mit der Angabe, seit Jahren im Juni an sehr lästigem Heuschnupfen zu leiden. Die Nase läuft dann stark und ist mal rechts, mal links verstopft und wird beim Schneuzen nur für kurze Zeit frei. Er muss bis 15 mal hintereinander niesen. Dabei jucken und tränen die Augen und sind lichtempfindlich; die Lider sind angeschwollen. Auch der Gaumen juckt dann sehr. An sonstigen Beschwerden wird angegeben allgemeine Müdigkeit, besonders nach dem Essen, Neigung zu Schweißen, zeitweiliges Stechen in der Herzgegend.
(aus AHZ, 06/1986, S. 247 "Ein Fall von Heuschnupfen" von Hans Leers)

Fall-Rätsel

Fall: Neuralgische Schmerzen
Eine junge Frau klagte über heftige neuralgische Schmerzen. Nach mehreren homöopathischen Arzneien (ohne Besserung) änderte sich der Charakter der Schmerzen. Der Schmerz breitete sich vom linken Augapfel zum Hinterkopf (links) aus, als ziehe eine Schnur von Augapfel zum Hinterkopf.
Dieses Symptom erinnerte Dr. H.N. Martin an ein ähnliches Symptom; als ziehe eine Schnur von der Brustwarze zum Rücken, mit Schmerz in der Brustwarze, wenn das Kind daran saugt. Auf Grundlage dieser Analogie entschied er sich für die Gabe von ...?...(Arznei).
Wenige Stunden später verschwanden die neuralgischen Schmerzen vollständig (keine Rückkehr seit 10 Tagen).
(Lit: Choudhuri, Dr. N.M.: A Study on Materia Medica)

Fall-Rätsel

Fall (Bauchschmerzen, Kolikartig)
Ein Patient kommt zu Dr. S.R. Phatak mit Anfällen von heftigen Bauchschmerzen. Vor den Schmerzanfällen beginnt es mit Stuhldrang, dann beginnen die Schmerzen, die auch nach dem Stuhlgang nicht besser werden, Verschlimmerung am Abend zwischen 21 und 22 Uhr. Während der Schmerzen muss der Patient umherlaufen, obwohl die Bauchschmerzen dadurch nicht besser werden.
Einem andereren Patient mit Nierenkollik konnte Dr. Phatak ebenso helfen. Auch dieser musste während der Schmerzen unbedingt umhergehen und zeigte ein weiteres Charakteristikum der heilenden Arznei, nämlich eine Verbesserung durch Rückwärts strecken.
(Lit:: Phatak, Dr. S.R.: Clinical Experiences (engl. Indian Ed.)

Fall-Rätsel

Fall: "Hartnäckige Bronchitis"
Zu Dr. Pietro Gulia kam im kühlen verregneten Mai ein 42 jähriger Mann in die Praxis, der bereits Thuja und Sulphur wegen Warzen an Händen und Füßen von ihm bekam. Nun stellt er sich vor mit einem hartnäckigen Husten, den er seit einigen Tagen hat. Er nahm schon selbst Bryonia und danach Spongia tosta ohne dass sich seine Beschwerden besserten.
Er beschrieb seinen Husten wie folgt: Trockener Husten, morgens gelbliches Sputum mit säuerlichem Geschmack im Mund. Kein Fieber aber beträchtliche Schwäche, Verlangen nach warmen Getränken, außer Kaffee, weil sein Husten sich schon beim Geruch von Kaffee verstärkt. Kalte Luft mag er nicht , sie verschlimmert auch seinen Husten.
Schöne Hustensymptome ... und welche Arznei war rhilfreich?
(Lit: The Homoeopathic Physician, vol.1 fFebruary 2020, edited by Dr. Renzo Galassi)

Fall-Rätsel

Fall: "Folgekrankheit der Grippe"
C.v. Bönninghausen berichtet in seinen kleinen medizinischen Schriften (Hrsg. K.-H. Gypser 1984)
Ein früher gesunder Mann von 52 Jahren bekam die Grippe (Schnupfenfieber") in hohem Grade und wandte sich an einen Arzt der älteren Schule, welcher ihn mehrere Monate behandelte, unter steter Zunahme des Unwohlseins und fortwährendem Auftreten neuer Beschwerden zu den alten.
Außer den gewöhnlichen Erscheinungen des, noch immer vorhandenen "Schnupfenfiebers", klagte er nun auch über stetes Gefühl eines Pflocks im Halse, Brennen in der Herzgrube, welches sich bis in die Milzgegend erstreckte, nach jedem Essen schlimmer. Brennen zwischen den Schulterblättern, Zucken und Schütteln in den Gliedern, und Unvermögen, die Hände zuzumachen. Am 19. August 1836 erhielt er von mir eine Gabe Nux vom C30 und 8 Tage darauf eine Gabe Ars. alb. C30, wonach sich das eigentliche Schnupfenfieber ganz verlor und allgemeine Besserung erfolgte.
Am 10. Oktober klagte er zuweilen noch über eintretendes Brennen und Kriebeln in der geschwollenen Herzgrube, mit gleichzeitigem Gefühle, wie von einem Pflock im Halse, über Steifigkeit der Haut und Finger und seitdem entstandenen Jucken über den ganzen Köper, durch Kratzen verschlimmert, wobei ich erfuhr, dass er in der Jugend die Krätze gehabt und verrschmiert hatte. Er erhielt von mir 2 Gaben ___??? C30___ und eine Zwischengabe ___??? C60___, alle Tage eine zu nehmen, wonach bis zum 15. November sämmtliche Beschwerden dauerhaft verschwanden.
Welche Arzneien setzte C.v. Bönninghausen ein?


Fall-Rätsel

Fall 1: (Dyspepsie)
Heftige Magenschmerzen; zuweilen scheint der Schmerz im Magen lokalisiert zu sein, dann wieder in der Brust; stets gebessert durch Hinlegen; vermehrt durch Umhergehen;
Verstopfung; öfter jedoch erfolgloser Stuhladrang; nächtliche Schlaflosigkeit; kann in keiner Stellung Ruhe finden. Die Schmerzanfälle treten ein- oder zweimal täglich auf; im Verlauf der Erkrankung hat sich ein kleines Karbunkel am Nacken, über der Wirbelsäule, gebildet.
Mit der Arznei X, wiederholt alle 6 Stunden, linderte Dr. W.E. Payne die Schmerzanfälle sofort bis zur Schmerzfreiheit nach 1 Woche.

Fall 2: (Influenza)
Vom gleichen homöopathischen Arzt erhalten wir einen weitere klinische Beobachtung aus der täglichen Praxis. Dr. W.E. Payne berichtet von einer Grippeepidemie, bei der begleitend beträchtliche Heiserkeit oder eine vollständige Aphonie zugegen war, bei der die Arznei Y schnell heilte.
(beide Fälle aus Lit: Temple S. Hoyne, Praxis der homöopathischen Heilkunst)

Fall-Rätsel

Fall: Pleuritis

J.C. Burnett beschreibt in seinem Buch "50 Gründe, ein Homöopath zu sein" seine eigene Leidensgeschichte.
Als ich noch ein junger Mann war, hatte ich eine linksseitige Pleuritis, und mit Hilfe des Dorfapothekers und etlicher Liter einer obskuren Mixtur wäre ich fast ins Jenseits befördert worden. Seit dieser Zeit litt ich an einer dumpfen, unangenehmen Empfindung in meiner Brustseite, wegen der ich viele berühmte Ärzte konsultierte - aber helfen konnte mir niemand.
Alle stimmten überein, dass es sich um eine alte Adhäsion zwischen der viszeralen und parietalen Pleura handeln müßte, aber niemand konnte sie zum Verschwinden bringen.
Als ich aber studierte, was diese sonderbaren Leute, Homöopathen genannt, über die Arznei XY und seine Affinität zu den serösen Häuten zu sagen hatten, kaufte ich XY und innerhalb von 2 Wochen war meine Brustseite gesund und sie hat mir seither nie wieder Beschwerden gemacht.
Dies lieber Kollege ist mein 2. Grund, Homöopath zu sein; und wenn ich jemals aufhören sollte, dem verehrten alten Hahnemann für seine Arznei XY dankbar zu sein, so möge mein altes Pleuraleiden wiederkehren, um mich an die Wahrheit seiner Lehre zu erinnern.

M.L. Tyler ergänzt in Ihrer Arzneimittellehre:
"Aus Obengesagten ersehen wir, dass XY nicht nur ein wichtiges Mittel bei akuter Pleuritis ist, sondern dass es auch die chronischen Zustände heilen kann, die gelegentlich nach einer Pleuritis zurückbleiben.
Welcher Arznei haben wir nun zu verdanken, dass J.C. Burnett gesundete und er für die Homöopathie noch so viel entdecken konnte?

Fall-Rätsel

3 Fälle von Halsschmerzen
Der Homöopath E.P. Anshutz berichtet von 3 Fällen, die sich durch folgende charakteristischen Symptome bei Halsschmerzen auszeichneten.
1. Schmerz und Membran von einer Seite zur anderen wechselnd
2. Steifheit des Nackens und der Zunge
3. vermehrter Speichelfluss
4. Abwesenheit von Erschöpfung
5. Schmerzart " als würde der Hals wund gebrannt"
Symptom 1 ist sicher das bekannteste und häufig schon wahlanzeigende Symptom für..(?).. Doch E.P. Anshutz ergänzt dieses Symptom um weitere typische Merkmale.
(Lit.: E.P. Anshutz: Neue, alte und vergessene Mittel)
Homöopathie und Rationalität
Medizin zwischen Empathie und Objektivismus

Das Programm Galileis alles zu messen, was messbar ist, und messbar zu machen, was noch nicht messbar ist, hat in den letzten zwei Jahrhunderten die Medizin in einer Weise und in einem Ausmaß transformiert, dass heute weltweit unter wissenschaftlicher Medizin wie selbstverständlich Quantifizierbarkeit, Reproduzierbarkeit und Standardisierbarkeit verstanden wird. Was sich nicht objektivieren, das heißt maschinell erfassen, verarbeiten und auswerten lässt, wird von der modernen evidenzbasierten Mainstream-Medizin nicht wirklich wahrgenommen, geschweige denn behandelt. Trotz ihrer Erfolge und Unentbehrlichkeit bei bestimmten Indikationen fühlen sich dabei aber immer mehr Patienten unverstanden und übergangen und suchen ihr Heil in alternativen Therapiemethoden.

Wenn Menschen aber mehr sind als die Summe ihrer Messwerte und über je eigene subjektive, seelisch-geistige Dimensionen verfügen, zeigt sich beim Versuch ihrer wissenschaftlichen Erfassung das Ungenügen einer bloß naturwissenschaftlich ausgerichteten Rationalität. Empfindungen, Leiden und Sehnsüchte eines Menschen lassen sich nicht durch Maschinen, sondern nur von mitempfindenden, mitleidenden und mitsehnenden Menschen wahrnehmen und innerhalb des jeweiligen Lebenskontextes und Sinnzusammenhangs verstehen und bewerten. Die dazu erforderliche Empathie erweist sich in der Medizin als notwendige und unerlässliche Bedingung einer ganzheitlichen Anamnese, wenngleich sie allein noch keine wirksame Therapie garantiert. Statt ganz in seinem Mitgefühl aufzugehen, muss der Therapeut stets auch eine gewisse Distanz zum Patienten wahren, um gezielt und rational entscheiden und Hilfe leisten zu können.

Im Gegensatz zur konventionellen Medizin wie auch zur Psychologie und Psychosomatik ist die Homöopathie in der privilegierten Situation, in ihrer Theorie beide Aspekte abzudecken. Hahnemanns rationale Methodik einer experimentellen Pharamakotherapie und seine Anweisungen an den ärztlichen Beobachter zur vorutreilsfreien und empathischen hermeneutisch-phänomenologischen Erfassung des individuellen Patienten einschließlich seiner gesundheitlichen Entwicklung sind gleichermaßen bestimmend für die homöopathische Heilkunst. In der Positionierung gegenüber normativen Geltungsansprüchen der prädominanten studien-, statistik- und ökonomiebasierten Schulmedizin täten Homöopathen gut daran, diese ihre methodische Stärke wirkungsvoller zu vertreten.

(Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie, WissHom, 2013)